Für eine inklusivere Welt
Beitrag von Aids Hilfe Wien

In Österreich leben laut Bundesministerium für Gesundheit und Frauen zwischen 8.000 und 9.000 Menschen mit dem Humanen Immundefizienz Virus (HIV). Aufgrund der medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte ist die Lebenserwartung von Menschen mit HIV bei guter Lebensqualität annähernd so hoch wie die durchschnittliche Lebenserwartung. Darüber hinaus verhindern  wirksame Therapien heute auch eine Übertragung von HIV. Trotz positiver Diagnose stünde einem Leben inklusive Job, unbelasteter Sexualität und Familienplanung also nichts im Wege. Doch Menschen mit HIV/AIDS werden in allen Lebensbereichen diskriminiert, und die Angst vor Ablehnung, Ausgrenzung und ungerechtfertigter Ungleichbehandlung lässt einen Großteil der Betroffenen über eine Infektion schweigen.

Stigmatisierung drängt Menschen an den gesellschaftlichen Rand und macht krank
Der Aids Hilfe Wien ist es ein großes Anliegen, ungerechtfertigte Ungleichbehandlung zu bekämpfen. Sie unterstützt daher die Forderungen der UN Nachhaltigkeitsziele (SDGs), bis 2030 alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, Rasse, Ethnizität, Herkunft, Religion,  wirtschaftlichem oder sonstigem Status zur Selbstbestimmung zu befähigen und ihre soziale, wirtschaftliche und politische Inklusion zu fördern. Neben der Förderung der Chancengleichheit und der sozialen Inklusion spielt auch Gesundheit und Wohlergehen für alle Menschen eine zentrale Rolle in der Agenda 2030: neben anderen Epidemien soll auch AIDS bis 2030 wirksam bekämpft und letztlich beseitigt werden. Um das zu ermöglichen, muss der gesellschaftlichen Marginalisierung von vulnerablen Gruppen und der Stigmatisierung von HIV entschieden entgegengewirkt werden. Denn die alltägliche Verdrängung vulnerabler Gruppen an den Rand der Gesellschaft führt, oft begleitet von Armut und Angst, zu einem erschwerten Zugang zu Gesundheitsversorgung und den vorhandenen HIV-Serviceangeboten.

„Leave no one behind“ – so heißt das zentrale Motto der 2030 Agenda. Wir alle können zu einer inklusiveren Gesellschaft beitragen, indem wir uns kritisch mit unseren eigenen Vorurteilen und irrationalen Ängsten auseinandersetzen und so für neues Wissen und für einen bereichernden Dialog mit unterschiedlichen Lebenswelten offen bleiben. Mit einer solchen Haltung – einer Haltung, die auch ganz im Sinne der SDGs ist – fördern wir nicht nur die soziale Inklusion, sondern ganz gezielt auch die effektivere Bekämpfung von HIV/AIDS.

Monitoring-Stelle für HIV-bezogene Diskriminierungsfälle
Unter der Leitung der Aids Hilfe Wien haben die AIDS-Hilfen Österreichs vor fünf Jahren eine nationale Monitoring-Stelle für HIV-bezogene Diskriminierungsfälle ins Leben gerufen. Aus dem Antidiskriminierungs-Report 2013-2017 geht hervor, dass 182 Diskriminierungen gemeldet, diesbezügliche 386 Beratungen durchgeführt und unterschiedliche Interventionen gesetzt wurden. Die Hälfte der gemeldeten Diskriminierung fand im Bereich des Gesundheitswesens statt. Dieser Umstand verdeutlicht, dass bei Bekanntwerden eines positiven Status nach wie vor irrationale Ängste und moralische Urteile eine wesentliche Rolle spielen.  

Mit der Entstigmatisierung von HIV/AIDS soll der HIV-Test aus dem Tabu geholt werden
Die UNAIDS-Strategie „90-90-90“ verfolgt das Ziel, dass bis 2020 weltweit 90 % der Menschen mit HIV über ihre Infektion Bescheid wissen, 90 % davon eine antiretrovirale Therapie erhalten und damit 90 % der Betroffenen unter der Nachweisgrenze sind und das Virus also nicht mehr übertragen können. Um diese Strategie zielführend umsetzen zu können, ist es absolut notwendig die Entstigmatisierung von HIV zu forcieren.

 

Weiterführende Links:

Aids Hilfe Wien
UNAIDS 90-90-90

 

Am 1. Dezember 1997, dem 10. Welt-AIDS-Tag, wurde das Aids Hilfe Haus in Wien eröffnet. Seit dem ist es die zentrale Anlaufstelle für Betroffene und bietet ein weites Spektrum an Beratung, Betreuung und Information an. Zu diesem Zweck sind im Aids Hilfe Haus zahlreiche Zentren mit unterschiedlichen Serviceangebot untergebracht:  u.a. ein Beratungszentrum, ein Betreuungszentrum, ein Tages-und Aktivzentrum, ein Selbsthilfezentrum sowie ein Präventions- und Schulungszentrum.

 


Sie lasen einen Blogbeitrag einer Mitgliedsorganisation von SDG Watch Austria. Die darin enthaltenen Meinungen sind keine Positionen von SDG Watch Austria oder vom ÖKOBÜRO als Medieninhaber.