Ein Beitrag von Thomas Roesler (Institut für Nachhaltiges Wirtschaften)

Der Beginn vom Neubeginn

Ja, wir erleben momentan eine Krise. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Krise für Europa ebensolch fundamentale Verwerfungen zeitigen wird, wie das Ende des Weltkrieges oder der Zusammenbruch des Ostblocks. So wie seinerzeit die erprobten Strukturen und Institutionen von Kolonialherrschaft oder dann Planwirtschaft einfach verschwanden und die kurzfristigen Gewinner langfristig zu Verlierern wurden, so könnte das gegenwärtige Machtbeben das Ende von vertrauten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prinzipien bedeuten. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Sowohl nach Kriegsende als auch nach Perestroika und Wende waren die betroffenen Menschen nicht nur von einer tiefen Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft und einem moderneren, in gewissem Sinne luxuriösen Dasein beseelt, dieses Dasein war als Vorbild bereits in der Welt und konnte zweckmäßig adaptiert werden. Aber was wird die Hoffnung bei diesem Neubeginn sein? Wo sind die erprobten Modelle, die es zu kopieren lohnt? Wo auf der Welt leben Menschen in Verhältnissen, wie wir sie ersehnen würden?

Ausgang ins Labyrinth

Vor dem Ausbruch von Corona gab es bekanntlich bereits eine globale Krise, die wir hier kurz als Ressourcen- und Umweltkrise bezeichnen wollen. Mehr als 180 Staaten der Welt waren sich einig über die Mittel und Möglichkeiten, wie diese Krise zu meistern sei. Dies wurde mit UN-Mandat zusammengefasst in den Nachhaltigen Entwicklungszielen 2030, den sogenannten SDGs. Wird es nach der Krise eine Rückkehr zur vertrauten freien Marktwirtschaft geben? Falls ja, wem gehören dann die astronomisch verschuldeten Staaten Europas? Wer zahlt an wen die Schulden zurück? Und wovon? Oder wozu? Damit alles wieder so wird wie früher? Aber das ist doch die Krise gewesen!

Entzugskur

Die SDGs werden bleiben, auch wenn sich gewisse Auflösungserscheinungen ergeben werden. Denn sie sind sinnvoll, klug und unvermeidlich für jede Art weiterer Gestaltung im menschlichen Zusammenleben. Die Art ihrer Umsetzung wird das Fundament für jegliche Art von künftigen Wirtschaftsprozessen bilden. Es wird zu tiefeinschneidenden Bereinigungen am Markt kommen, aber eine Umgehung der SDGs wird nicht mehr machbar sein. Denn der Weg aus der Krise muss ein glaubwürdiger sein, sonst machen die Menschen diese Entzugskur nicht mit – und der Planet übrigens auch nicht.

Chancen los

Bei den Bereinigungen des Marktes haben kleine Unternehmen keine Chance, denn sie sind nicht so wichtig, als dass sie in den Genuss der notwendigen Starthilfe kämen. Vielleicht fallen ein paar milde Gaben aus dem Sozialfonds ab, um den Sturz in den Konkurs hinauszuzögern. Doch eigentlich gibt es für keinen von uns eine echte Chance – für sich gesehen. Aber zusammen?

Unser Erfolg ist unvermeidlich

Als Nachhaltigkeits-Pioniere sind wir einzigartig. Und das bleiben wir auch, egal welche Verwerfungen das alte System überkommen mag. Wir brauchen keine Reanimierung des Kadavers „Freie Marktwirtschaft“, wir sind bereits in der Zukunft angekommen! Wir besitzen das Wissen und die Technologien, wie ein künftiges Wirtschaften unter ernsthafter(!) Maßgabe durch SDGs machbar ist. Und wir halten diesen Vorsprung, wenn wir unsere miteinander erprobten diesbezüglichen Maßnahmen untereinander austauschen.

Konkret

Jetzt, wo wir uns aus dem Home-Office herausgewerkelt haben, lasst es uns ausprobieren: Nutzen wir jetzt die Instrumente, die uns langfristig den Vorsprung sichern werden. Tun wir es für uns miteinander, tun wir es jede*r für sich, tun wir es, weil es ein leuchtendes und zu adaptierendes Beispiel für die Vielen sein soll, die eine sinnvolle Änderung der bestehenden Welt erhoffen. Das Alte ist unwiderruflich vorbei. Gut so! Bilden wir die Hoffnung, dass Anderes möglich wird. Weil wir es jeder für sich bereits können! Und nun gemeinsam mit vereinter Kraft!

Sie lasen einen Blogbeitrag einer Mitgliedsorganisation von SDG Watch Austria. Die darin enthaltenen Meinungen sind keine Positionen von SDG Watch Austria oder von ÖKOBÜRO als Medieninhaber.